Eine kurze Geschichte der künstlichen Intelligenz

Ein paar Worte zu schlauen Computern und lernender Software

Um die verschiedenen Begriffe Artificial Intelligence, Machine Learning, Data Mining und Data Science herrscht häufig eine gewisse Begriffsunklarheit. Gerade durch das große Wachstum der Anwendung von Techniken des Machine Learning im Alltag vieler Menschen und bahnbrechende Fortschritte wie den Sieg von Googles AlphaGo im Brettspiel Go gegen professionelle menschliche Spieler gelangt die Thematik – von einem gewissen Hauch an Mystik („Es ist die höchste Stufe, die zu vergeben ist, sie grenze ‚nahezu an Göttlichkeit‘.“1) umgeben – immer öfter in die Medien (z. B. 1 2). Dieser Artikel soll daher die grundlegenden Begriffe einordnen und voneinander abgrenzen, sowie einen kleinen Einblick in maschinelles Lernen bieten.

Geschichtliche Entwicklung

Artificial Intelligence (AI), oder deutsch „Künstliche Intelligenz (KI)“, ist ein eigenständiges Forschungsgebiet, das etwa seit Mitte des letzten Jahrhunderts existiert. John McCarthy erklärte in den 1950ern, es sei das Ziel von KI, „intelligentes menschliches Verhalten durch Computerprogramme (künstlich) nachzubilden“.3 KI ist somit ein Querschnittsthema von Kognitionswissenschaften, technischer Informatik und Wirtschaftswissenschaften bis hin zu Philosophie.4 Einer der Pioniere der künstlichen Intelligenz und der lernenden Maschinen war Arthur L. Samuels, der 1959 ein Programm entwickelte, das das Spiel „Dame“ erlernen konnte.5

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Star Wars: Die letzten Jedi

Die helle und die dunkle Seite der Franchises

„Der Weg ist ein anderer, als du ihn dir vorgestellt hast“, sagt Luke Skywalker zu seiner jungen Schülerin Rey. „Ich kenne nur eine Wahrheit: Die Zeit der Franchises … ist zu Ende.“

Der neueste Teil der Star Wars-Filme hat unter Fans Wellen geschlagen und Meinungen darüber, ob es sich nun um einen guten oder schlechten Film handelt, könnten nicht weiter auseinander liegen. „Mutig“ nennen ihn die einen, insbesondere professionelle Filmkritiker attestieren dem Film, im Gegensatz zu seinem Vorgänger The Force Awakens neue Wege gegangen und somit auch künstlerisch einen Mehrwert geschaffen zu haben. Die andere Hälfte der Fans zerreißt sich den Mund darüber, wie „un-star-wars-y“ der neue Teil doch war und ist sich dabei keines (auch teils sexistischen) Arguments zu schade.

Und ich stehe irgendwo zwischen den beiden und bin mir unsicher, was ich denken soll. Denn natürlich – ohne hier die Handlung zu spoilern – hat der Film seine großartigen Momente, bei denen Charaktere an zentralen Entscheidungen wachsen, bei denen Sound- und Set-Design herausragend sind, bei denen das viel beschworene Star-Wars-Universum Tiefe gewinnt.

Aber dann leidet der Film an vielen Stellen unter seiner Freude, neue Ideen auszuprobieren. An ein, zwei Stellen habe ich im Kino herzlich gelacht, obgleich ich ziemlich sicher bin, dass der Film das explizit nicht von mir wollte. Mein Hauptproblem hatte ich mit der unerhört zufällig zustande gekommenen Nebenhandlung der Charaktere Finn und Rose, die einen gefühlt zu langen, streckenweise kitschigen und ultimativ unsinnigen Mittelteil des Filmes begründet hat. Generell leidet der Film darunter, dass alle Charaktere, für die zum Teil in Episode VII viele Anspielungen gemacht wurden, plötzlich einfach irgendwelche zufälligen Typen sind.

Und damit stand mein Urteil fest: Was ein blöder Film. Also nicht schlecht gemacht, aber eben auch nicht so gut, wie ich erwartet hatte.

Bis ich dann nachgedacht habe. Rogue One zum Beispiel, die Star Wars Story zwischen der Original- und der Prequel-Trilogie, fand ich eigentlich sehr spaßig – und das, obwohl dieser Film auch ganz klare Probleme mit einem langen und unsinnigen Mittelteil hatte. Warum kann ich bei Rogue One ohne Zögern über etwas hinwegsehen, was mich bei The Last Jedi so stark gestört hat? Generell, warum beschwere ich mich eigentlich nicht, wenn in der Original-Trilogie (ohne Prequels) die Charaktere auch alle irgendwie zufällige Typen sind, wie etwa der Imperator, Han Solo oder die beiden Droiden R2D2 und C3PO?

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Bitcoin, die Blockchain und technologische Intuition

Oder: Der gefährliche Hype um die Kryptowährungen

Bitcoin, die inzwischen fast 10 Jahre alte digitale Währung, und die dahinterstehende Technologie der Blockchain sind aktuell auf dem Gipfel eines Hypes. Und das nicht unberechtigt: Die Idee eines digitalen Geldes ohne zentrale Instanzen, die dieses kontrollieren können (wie (Zentral-)Banken oder Regierungen), ist in der Tat verlockend. Ein Netzwerk, das Werte und ihre Weitergabe abbilden kann, ohne dass ich einem Teilnehmer vertrauen muss, ist genial. Und während es immer neue Kryptowährungen gibt (Ethereum, Iota,…) und geheime „Bitcoin-Clubs“ die neuen nigerianischen Prinzen in meinen Spam-Mails werden, sind inzwischen auch Unternehmen auf den Hype aufgesprungen und wollen alles in mindestens einer Enterprise-Blockchain abbilden. So überlegt die Deutsche Bahn etwa, Züge mittels dieser Technologie automatisch bei der Einfahrt in Bahnhöfe über eine eigene, interne Kryptowährung bezahlen zu lassen – obwohl eine einfache, zentrale Datenbank vielleicht auch ausreichen würde.

Hype

Allerdings zerfällt die Diskussion um das Thema Kryptowährungen und Blockchain aktuell in zwei große Teile: Zum einen gibt es eine technologische Diskussion: Warum wurde Bitcoin und seine Technologie erfunden, welche Probleme werden adressiert, wie funktioniert die Umsetzung, welche Herausforderungen gibt es und wie kann man diese ganz konkret angehen. Und dann gibt es noch die Diskussion, die vornehmlich von BWLern geführt wird und in der wild zusammenphantasiert wird, was mit Blockchain alles möglich sein könnte. Und weil die technologische Diskussion sehr komplex ist und gerade im Vergleich zu den potentiellen Möglichkeiten der Technologie einfach furchtbar langweilig wirkt, findet sie in der breiten Öffentlichkeit selten statt. Stattdessen wird der BWL-Perspektive das Feld überlassen, deren Themen und Argumente leider häufig ohne Fundierung in der technologischen Realität daherkommen.

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Mittwochs

„Es ist ein unglaublich schöner Tag“, flüstert eine Stimme in mein Ohr. Ich drehe mich um. „Draußen ist es warm“, wird die Stimme lauter und beginnt an meinem Nachttisch zu wackeln. „Er ist auf dem Weg nach Hause mit der Bahn.“ Verwirrt öffne ich die Augen. „Schaut aus dem Fens…“ Ich schalte den Wecker aus und stehe schlaftrunken auf. Rollladen hoch. Kaffee. Ich drücke ein paar Knöpfe.

„Guten Abend, meine Damen und Herren“, sagt der Mann aus der Vergangenheit mit dem schiefen Gesicht und beginnt daherzuplappern, während ich frühstücke. „Die Populisten sind auf dem Vormarsch“, erklärt mir ein Anzug mit Krawatte. „Soso“, kommentiere ich. „Soso“, denkt der Mann aus der Vergangenheit und macht ein schiefes Gesicht. „Wir sollten alle noch viel mehr Angst haben“, fährt der Anzug fort und friert plötzlich ein. „Behalt den Gedanken im Hinterkopf“, sage ich und gehe duschen.

Die Geister der Vergangenheit steigen aus den Dampfschwaden auf. Ein Hund kommt angelaufen. „Das hier ist ein Waldweg, kein Spielplatz“, echot es zornig. Ein Blatt Papier liegt auf dem Boden. „Nennen Sie die acht Vs horizontaler Prozessoptimierung“, echot es streng. Jemand, den ich mal kannte, blickt mich vorwurfsvoll an. „Ich bin für dich doch selbstverständlich geworden“, echot es enttäuscht. Und dann bist da noch Du, krittisch wie immer. „Da ist ein Rechtschreibfehler im letzten Satz“, echot es zynisch.

Ein Müllhaufen vor mir mitten auf dem Bürgersteig versperrt mir den Weg. „Dafür habe ich jetzt keine Zeit.“ Heute ist wieder Fleddertag bei mir in der Straße. Ein Kaninchenstall, frisch gestrichen. Ein Wandspiegel, gebrochen. Fotorahmen, leer. Babyschuhe, ungetragen. Und morgen, wenn die Abfuhr kommt, bleiben nur Reste von Leben und Splitter von Träumen verstreut auf dem Boden liegen, um von Passanten in die Erde getreten zu werden. Über mir strahlt das tiefste Blau des Himmels.

Diese Woche: Hawaii-Woche! „Piep piep piep“, macht die Kasse, als sie den zu zahlenden Betrag für das Mittagessen von meinem Studentenausweis abgebucht hat. „Wir ha’m uns alle lieb“, ergänze ich hoffentlich nicht laut halb in mich hinein, halb zur Kassiererin.

Ein guter Freund setzt sich zu mir. „Bist du eigentlich jetzt ein Misanthrop geworden?“, fragt er mich. „Inwiefern?“, frage ich zurück, und schütte mir Jod, Fluor und Folsäure über mein Essen. „Sag mal, wie kannst du dir das immer ohne erst zu probieren drüberkippen?“, fragt er, und salzt sein Essen ebenfalls, bevor er den ersten Bissen nimmt. „Aber zum Thema. Überleg̣‘ doch mal: In ‚Montage‘ standen noch Menschen im Mittelpunkt der Geschichte. Dein Textstil hat sogar dafür gesorgt, dass die medialen Brüche wie Telefon oder Wahlplakat überbrückt werden. Gut, das mit dem Wahlplakat machst du in ‚Dienstag‘ immer noch, aber die Menschen… Du blendest komplett die echten Menschen aus.“ Er schneidet durch eine Scheibe Ananas aus der Dose, drei Späne Reibekäse und zwei Zentimeter Panade, und führt einen Querschnitt zu seinem Mund. „Also eigentlich“, versuche ich meine Gedanken zurück auf das Thema der Geschichte zu richten, „war das nicht meine Absi…“

„Halt!“, unterbricht er mich. „Wenn der Text geschrieben ist, hat der Autor bei der Interpretation nicht mehr mitzureden.“

Der Cursor blinkt im Textfeld bei Wort 512. Es ist eine Kurzgeschichte. „Erinnerst du dich noch daran, dass du mal Gedichte über wahre Liebe geschrieben hast?“, fragt mich das lyrische Ich. „Hast du nicht auch manchmal das Gefühl, dass alle wichtigen Worte schon gesagt wurden?“, entgegne ich. Das lyrische Ich blickt auf den Bahnhof. Ich blicke auf den Bildschirm. „Musst du eigentlich die Geschichten erzählen, oder erzählen die Geschichten dich?“, fragt es. „Der Trick ist, nie zu wissen, wo die Geschichte endet und die Realität anfängt.“ Das lyrische Ich legt mir die Hand auf die Schulter. „Weißt du, manchmal wäre ich gerne auf Wolke 7, aber dann stehe ich doch nur hier an Gleis 8…“

Ich warte alleine am Bahnsteig. Die Lautsprecher knarzen, aber niemand sagt etwas durch.

„Wo soll das alles nur hinführen?“, frage ich.

„Wörth Bahnhof“, antwortet die Anzeigetafel.

Der letzte Zug fährt ab.


Ebenfalls erschienen im Neologismus 17-09

Neo-Biedermeier

Über geschichtliche Parallelen und unsere Gesellschaft

Bereits vor zwei Jahren habe ich gemeinsam mit Jana Willemsen den Begriff „Neo-Romantik“ als Bezeichnung für die aktuelle Literatur-Epoche diskutiert. Die These des Artikels damals: Die Literatur unserer Zeit ist letztendlich die Romantik – mit der bedeutenden Änderung der negativen Zukunftsaussicht: Utopie wurde durch Dystopie ersetzt. Dabei wurde insbesondere Jugendliteratur betrachtet, da „in einer alternden Gesellschaft, deren oberstes Ziel es ist, fit und jung zu bleiben, […] das Jugendbuch die wichtigste literarische Gattung [ist]“.1

Der im Folgenden vorgestellte Begriff Neo-Biedermeier soll unsere Zeit nun mit einer eher gesellschaftlichen Sicht eingrenzen und beschreiben. Zunächst muss jedoch der geschichtliche Kontext des klassischen Biedermeier dargelegt werden:

Der alte Biedermeier

Versetzen wir uns gemeinsam zurück in das frühe 19. Jahrhundert. Napoleon Bonaparte, „Kaiser der Franzosen“ ist gerade mit seinem Russlandfeldzug katastrophal gescheitert, die unterdrückten Mächte Russland, Preußen und Österreich verbünden sich in einer „Heiligen Allianz“ gegen die Hegemonialmacht Frankreichs und siegen, um 1814/15 auf dem Wiener Kongress die alte Ordnung in Europa wiederherzustellen.

Ziele der Restauration waren die Rückabwicklung der Folgen der französischen Revolution, die Sicherstellung der monarchischen Autorität der alten Dynastien und die Verhinderung von weiteren Revolutionen durch freiheitliche und nationale Bewegungen. Der Deutsche Bund unter preußischer und österreichischer Vorherrschaft wurde gegründet.

1819 verabschieden die wichtigsten Staaten des Deutschen Bundes aus Angst vor einer weiteren Revolution die Karlsbader Beschlüsse: Die Pressefreiheit wird eingeschränkt und durch Zensur ersetzt, Universitäten werden überwacht und Professoren mit liberalen oder nationalen Einstellungen durch Berufsverbote an der Vermittlung möglicherweise aufrührerischer Lehren gehindert.

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